Immanturniere
Eine Herausforderung für Teilnehmer und Veranstalter
Bei dem Gedanken an ein Immanturnier wird jedem Besitzer einer Immantruppe das Herz höher schlagen. Packende Spiele, Jubelschreie und Tränen der Enttäuschung, ein mehr oder weniger umfangreicher Turnierbericht und vielleicht sogar ein paar Geld- oder Sachpreise für die eigenen Spieler - das alles darf man sich von einer solchen Veranstaltung erhoffen. Im aventurischen Boten werden regelmäßig Aufrufe zu solchen Turnieren bekannt gegeben und von nah und fern strömen sie herbei, um die seltene Herausforderung anzunehmen. Doch während die Gedanken der meisten Immanfreunde bei den teilnehmenden Haufen und Spielern weilen, wird einer der Hauptakteure eines solchen Turniers häufig außer Acht gelassen - und das völlig zu Unrecht. Ist es doch gerade der Veranstalter, der die Hauptlast für das Gelingen oder Mißlingen eines Turniers trägt. Deshalb an dieser Stelle einige Hinweise für Turniermutige Immanhaufen und -freunde, sowohl aus aventurischer, als auch aus irdischer Sicht:
Die aventurische Perspektive
Ein Immanturnier ist eine große Sache, egal, ob es in dem kleinen Dorf Niritul oder in
einer der großen Städte wie Vinsalt oder Selem ausgetragen wird. Viele Neugierige werden
herbeiströmen, Gaukler und Kaufleute schlagen ihre Zelte auf in der Hoffnung, auf einen
ansehnlichen Gewinn, und auch zwielichtige Gesellen werden von einer solchen Veranstaltung
angezogen wie die Maus vom Speck, können sie doch in den mit anderen Gedanken beschäftigten
Massen auf leichte Beute hoffen.
All dies ist zu bedenken, wenn man ein Immanturnier veranstalten will, aber auch, wenn man
sich mit dem Gedanken trägt, einem solchen als Teilnehmer oder Zuschauer beizuwohnen.
Für den Veranstalter stehen einige enorme organisatorische Herausforderungen auf dem Plan.
Zunächst wäre da das Unterkunftsproblem zu nennen. Bei zwölf teilnehmenden Haufen mit jeweils
25 Spielern und einem kleinen Betreuerstab dürfte die Beherbungskapazität der meisten aventurischen
Ortschaften bereits mit der Anzahl der Spieler deutlich überschritten sein. Natürlich kann man
mit provisorischen Zeltlagern oder der Einquartierung in Stallungen und Scheunen Abhilfe schaffen,
doch dürfte unter solchen Bedingungen kaum mit der Teilnahme einer angeseheneren Truppe, die
Zuschauer auch aus der weiteren Umgebung anlocken würde, zu rechnen sein. Unterkunft für
Schaulustige sollte im Normalfall das geringere Problem sein, da die meisten Zuschauer wohl aus
dem Ort und seiner näheren Umgebung kommen werden. Kaum ein normalsterblicher Aventurier kann es
sich leisten, längere Zeit die Arbeit liegen zu lassen und eine weite kostspielige Reise auf
sich zu nehmen, nur um ein paar Männern und Frauen dabei zuzuschauen, wie sie mit Holzknüppeln
bewaffnet einem Korkball hinterherjagen. Doch trotzdem ist mit einer gewissen höheren Nachfrage
an Schlafraum zu rechnen, insbesondere aufgrund der höheren Zahl von Händlern, die sich zur
Zeit des Turniers im Ort aufhalten werden.
Auch die Verpflegung kann zum Problem werden. In größeren Orten dürften genügend Nahrungsmittel
aufzutreiben sein, um auch 20 hungrige Immanfünfzehn durchzufüttern, doch Veranstalter aus
kleineren Ortschaften sollten strikt darauf hinweisen, daß die Teilnehmer Eigenversorgung mit
selbst mitgebrachten Lebensmitteln betreiben müssen. Es sähe doch allzu schlecht aus, wenn die
heimische Fünfzehn nach drei Tagen zum Sieger erklärt werden müßte, nur weil alle anderen
Truppen wegen akutem Hungers vorzeitig die Heimreise angetreten haben.
Die Platzqualität ist ein nicht außer Acht zu lassender Punkt. Die meisten Ortschaften verfügen
lediglich über ein Immanfeld. Wer schon einmal ein solches nach einem einzigen Spiel in Augenschein
genommen hat, kann sich vorstellen, wie es aussehen muß, wenn drei Tage in Folge je vier Horden
von jolenden Immanspielen auf ihnen gewütet haben. Ein von Wildschweinen heimgesuchtes Maisfeld ist
dagegen ein wohlgepflegtes Gartenstück. Der Spielplan sollte deshalb so gestaffelt werden, daß auch
am letzten Tag die Spieler noch zum größten Teil zu sehen und nicht bereits unter der Gürtellinie
im Schlamm verschwunden sind. Zäune und etwaige Tribünen müssen ebenfalls enormen Belastungen standhalten
und sind aus Sicherheitsgründen vor Beginn des Turniers und an jedem neuen Tag unbedingt zu
kontrollieren.
Auch die medizinische Versorgung sollte bedacht werden. Imman ist ein hartes Spiel und es gibt
kein Turnier, in dem es ohne viele kleinere und einige größere Blessuren abgeht. Vor allem in
Orten, wo nur auf einem Platz gespielt wird, werden vor allem mit der zunehmend schlechter werdenden
Platzqualität Verletzungen der Knöchel und Füße zunehmen. Ein fachkundiger Heiler ist eine
unschätzbare Gefälligkeit, die ihnen die betroffenen Spieler noch lange danken werden, selbst
wenn für diesen bezahlt werden muß.
Da, wie bereits erwähnt, nicht nur wohlgesinnte Immanfreunde zu diesem Spektakel erwartet werden
können, ist für die gesamte Zeit des Turniers ein erhöhter Sicherheitsaufwand im Ort und seiner
näheren Umgebung erforderlich. Die Veranstalter sollten sich deshalb unbedingt mit dem Stadtoberhaupt
und dem Hauptmann der Büttelgarde in Kontakt setzen. Es liegt natürlich am Verhandlungsgeschick jedes
einzelnen, welche zusätzlichen Maßnahmen er mit Hinweis auf den durch das Turnier zu erwartenden wirtschaftlichen
und prestigemäßigen Gewinn für die Stadt heraushandeln kann, doch sollte man sich darauf einstellen,
zumindest einen Teil des erzielten Erlöses an die Stadtkasse abführen zu müssen.
Preise und Geldgaben an die erfolgreichen Truppen sind dem Veranstalter überlassen. Die meisten Haufen
nehmen des Spiels und der Ehre wegen an einem Turnier teil und sind bereits mehr als glücklich, wenn
ihnen Kost oder Unterkunft zur Verfügung gestellt wird. Ein Preisgeld wird natürlich nie ausgeschlagen,
ist aber keine Bedingung, um Fünfzehn zu einem Immanturnier zu locken.
Die irdische Perspektive
Ein Immanturnier kostet eine Menge Zeit und Kraft, zumindest wenn man es gut machen will. Dessen sollte
sich jeder bewußt sein, der sich mit dem Gedanken trägt, ein solches auszurichten. Am Anfang ist der
Enthusiasmus groß und die ersten Tage sind schnell ausgewürfelt, aber nach und nach läst die Kraft nach,
andere Aufgaben kommen dazwischen, Papiere gehen verloren und die Übersicht schwindet. Dann heißt es:
Durchbeißen und Kämpfen - der Spaß kommt meist wieder. Wenn das Turnier erst einmal gelaufen und der
Abschlußbericht geschrieben und versandt ist, kann man sich entspannt zurücklehnen, ein kaltes Bier in
die Hand nehmen, sich in Gedanken auf die Schulter klopfen und ein bißchen Stolz sein, im Bewußtsein,
eine umfangreiche Aufgabe gemeistert zu haben (Das mag jetzt etwas pathetisch klingen, ist aber wirklich
so!).
Das A und O eines erfolgreichen Immanturniers ist eine wohl durchdachte Organisation vor Turnierbeginn.
Egal, ob man "Jeder gegen Jeden", mit Vorrunde und Finalspielen oder gleich im K.O.-System mit Hoffnungsrunden
und ähnlichem spielt, wichtig ist, das man vorher einen genauen Plan aufgestellt hat und diesen dann
sukzessive abarbeitet. Auch wichtig: Nicht gleich am Anfang die ganze eigene Kraft verausgaben. Immer
einen Spieltag pro Tag auswerten und dann eine Pause machen, der nächste Abend kommt bestimmt. Ich benötige
im Schnitt pro Spiel etwas mehr als eine Stunde inclusive Torschützen und Spielbericht - da kommt schon
einiges an Zeit zusammen. Auch sollte man sich bereits am Anfang klar darüber sein, daß eine besonders
langwierige Aufgabe das Auswürfeln der Torschützen sowie gesperrten und verletzte Spieler ist, die
ebenfalls guter Organisation bedarf. Es gibt nichts peinlicheres, als einen wegen Schienbeinbruchs ausgefallenen
Spieler das entscheidende Tor in der Verlängerung des Finales schießen zu lassen.
Die meisten Veranstalter von Immanturnieren annoncieren im Aventurischen Boten und setzen eine Anmeldungsfrist.
Das Rückporto für den Turnierbericht wird für Gewöhnlich mit verlangt. Auch über e-mail funktioniert das
Versenden sehr gut, vor allem aber kostenlos. Mit einer eigenen Internetseite besteht sogar die Möglichkeit,
Ein Turnier sozusagen im Echtzeit-Modus auszutragen und jeden Tag die Ergebnisse zu aktualisieren. Das erhöht
den Arbeitsaufwand um einiges, bringt den Teilnehmern aber enorme Spannung und eine Menge Spielspaß, denn so
warten sie nicht nur auf den fertigen Bericht, der ihnen mit einem Blick verrät, daß ihre Fünfzehn mal wieder
im Halbfinale gescheitert ist, sondern sie können bereist in der Vorrunde mitfiebern und nach dem verlorenen
Halbfinalspiel echte Tränen der hautnah erlebten Pleite heulen und verzweifelt Phex und die anderen Elfe
anrufen und laut nach dem "WARUM" fragen (Natürlich können sie sich auch eine neue Tüte Chips holen und zur
nächsten Seite weitersurfen, aber wer macht das schon, wenn er so kurz vorm Erfolg in einer nahezu Direktsendung
vom Ausscheiden der eigenen mit hohen Erwartungen angetretenen Truppe hört?).
Die Auswertung eines Turniers setzt ein etwas anderes Herangehen voraus, als es bei Ligaspielen oder einzelnen
Freundschaftsspielen der Fall ist. Als Beispiel sei deshalb hier als kleine Dienstleistung das von mir beim
1. Svelltlandmessen-Turnier in Lowangen genutzte Regelwerk vorgestellt, daß jeder gern als Ausgangspunkt
für eine eigene Ausformung der Regeln und Voraussetzungen mißbrauchen darf.
Regelwerk 1. Svelltlandmessen-Turnier











