Knapper ging es nicht mehr
Swelttalwehr scheitert im letzten Halbfinalspiel an Prem
Mit großen Hoffnungen hatte die Mannschaft der Swelttalwehr Lowangen ihre Reise nach Prem
angetreten. Nachdem man durch ein hart umkämpftes 18:15 im vierten Spiel der Halbfinalserie
gegen Sturmotta Prem noch einmal den Kampf um den Einzug ins Finale offen halten konnte,
sollte ein zweiter Auswärtssieg im entscheidenden fünften Spiel den Weg dorthin bahnen.
Nichts schien unmöglich, und bis zum letzten Augenblick des Spiels, als in der Verlängerung
ein umstritten erzieltes Tor der Rremer der Partie ein jähes Ende bereitete,
war das Finale um die Meisterschaft der VAI zum greifen nahe. Am Ende jedoch fuhren die Jungs
und Mädels mit hängenden Köpfen und leeren Händen nach Lowangen zurück, wo kein Schulterklopfen
und keine Feierlichkeit die Trauer aus ihren Gesichtern vertreiben konnten.
Das Drama von Prem:
Die Anreise nach Prem war dank der magischen Unterstützung auf dem Schiff recht angenehm verlaufen.
Im Gegensatz zu sonstigen Auswärtsbegegnungen, wo die Mannschaft bisher meist in besseren Stallungen
übernachtet hatte, wurde eigens in der Premer Innenstadt die Herberge "Thorstors Freuden" angemietet,
damit sich die Spieler in den drei Tagen vor dem Spiel entspannen und Kräfte sammeln konnten. Mehrere
Übungseinheiten im "Langhaus" machten die Mannschaft noch einmal mit den Verhältnissen in einem
ihrer Lieblingsstadien bekannt, so daß alle am Abend vor dem Spiel voller Zuversicht, doch auch mit
einer gehörigen Portion Aufregung ins Bett gingen.
Am nächsten Tag waren fast alle schon recht zeitig auf den Beinen. Die Anspannung stand allen
Spielern und Betreuern ins Gesicht geschrieben, galt es doch nicht nur, mit einem Sieg den Einzug
ins Finale zu sichern. Auch die demütigende 20:0-Niederlage aus dem zweiten Schlußspiel in Prem
und die nachfolgenden stundenlangen Spottgesänge der Thorwaler waren allen noch in frischer Erinnerung.
Diese mehr noch als die eigentliche sportliche Herausforderung ließen die Spieler der Swelttalwehr
bereits eine Stunde vor Spielbeginn mit grimmigen Mienen in Richtung Stadion ziehen. Gelegentliche
Schmährufe aus den Reihen der der Mannschaft folgenden Sturmotta-Anhänger wurden mit einem
grimmigen Lächeln quittiert - man hatte sich einiges vorgenommen.
Das Stadion füllte sich rasch. Bereits lange vor Spielbeginn war kein Platz mehr frei. Lobeshymnen
auf die Premer und spontan einstudierte Schmähchöre auf die Lowanger, die sich bereits auf dem
Rasen einspielten, machten die Runde und heizten
die Stimmung zusehends an. Als dann ein in schmutzige Lumpen gekleideter Mann auch noch einen
toten Fuchs - das Wappentier Lowangens - über die Bande auf das Spielfeld warf, wurde es sogar den
Premer Ordnungshütern zu viel. Die Büttel schnappten sich den Übeltäter und führten ihn wegen
gotteslästerlichem Benehmens ab. (Selbst im Thorwalschen will es sich niemand wegen eines Immanspiels
mit dem Gott des Glücks verderben.) Von den Zuschauern wurde die Verhaftung jedoch eher als parteiisches
Einschreiten der Büttel zu Gunsten der Gäste aus dem Svelltland gewertet, was zu einem weiteren
Aufheizen der Stimmung beitrug.
Unter diesen Vorzeichen betrat kurz vor Spielbeginn die Mannschaft der Sturmotta das Feld. Alle
Gesänge gegen die Lowanger hörten abrupt auf und ein einziger tosender Jubel brandete durch die
Zuschauerreihen. Die Namen der Spieler wurden von einem Herold einzeln laut gerufen und von den
mehreren hundert Zuschauern frenetisch wiederholt. Als diese Prozedur endlich beendet war, begaben
sich Erp Krumbein und der Premer Kapitän in die Mitte des Feldes. Der sonst übliche Händedruck entfiel,
stattdessen drosch man heftig mit den Schlägern aneinander und warf sich böse Blicke zu.
Der Ball wurde vom Unparteiischen ins Feld geworfen, die Premer kamen zuerst in dessen Besitz, doch
schon nach zwei Anspielstationen wurden sie durch eine wunderbare Doppelesche gestoppt. Holz
krachte auf Holz, Holz auf Knochen und der Knochen insgesamt gab nach. Nach nur wenigen Sekunden
mußte der erste Premer Spieler vom Platz getragen werden. Die grimmigen Gesichter der Lowanger
Spieler zeigte allen, daß dies kein Versehen war, man hatte den brutalen Einsatz der Premer in
Spiel zwei und drei noch nicht vergessen.
In der Folgezeit war das Spiel vor allem von brutalsten Regelwidrigkeiten auf beiden Seiten
geprägt, denn auch die Premer gingen nicht zimperlich zu Werke. Kaum ein Spielzug wurde systematisch
aufgebaut, viel mehr suchte man nach einer Möglichkeit, dem Gegner Stock oder Ball in empflindliche
Körperteile zu treiben. Von den Zuschauern wurden die Schläge mit begeisterten Jubelrufen oder
bitterbösen Schmähungen kommentiert, je nachdem, welche Mannschaft gerade in Aktion getreten war.
Das Spiel stand bereits kurz vor dem Abbruch, als ein heftiges Gewitter
eine Unterbrechung erzwang. Beide Mannschaften wurden in dieser Auszeit von Verantwortlichen des
Verbandes aufgesucht, die ihnen androhten, sowohl Prem als auch Lowangen vom weiteren Meisterschaftsverlauf
auszuschließen und den Sieger des anderen Halbfinals zum Meister zu küren, sollten sie sich
nicht auf die eigentliche Quintessenz des Spiels besinnen.
Etwas ruhiger ging man nach Wiederaufnahme des Spiels zu Werke, doch schien die allgemeine
Aggressivität nun eher in eine Art arroganten Spielerstreik umzuschlagen, denn nunmehr gab es
kaum mehr Bewegung auf dem Feld. Die Spieler versuchten sich stattdessen gegenseitig abzuschießen.
Bei einem Stand von 0:0 ging es in die Pause. Drei Premer und zwei Lowanger Spieler hatten den
Rasen wegen Verletzungen bereits verlassen müssen, zudem war ein Spieler der Swelttalwehr des
Feldes verwiesen worden, zahlreiche weitere hatten bereits Verwarnungen kassiert.
Nach der Pause schien es zunächst so, als ob die Sturmotta nun beginnen wollte, Imman zu spielen.
Ein schneller Angriff über den rechten Flügel überrascht Lowangen und so konnte Janda Tulasdottir
Torkil Akison mustergültig vor dem Lowanger Tor in Szene setzen. Ein sichers Tor, hätten nicht
Morlosch Eisenfaust und Tinja Freyburga den Premer Angreifer mit einem sehenswerten Knöchelfeger
gestoppt. Torkil mußte das Feld mit schmerzverzerrtem Gesicht verlassen, doch den anschließenden
Strafschlag direkt vor dem Tor jagte Veteranin Hjelgira Oddasdottir durch die Pfosten zum 3:0.
Damit
war das spielerische Potential der Sturmotta schon wieder erschöpft und man beschränkte sich auf
eine beinharte Defensivarbeit mit weiterhin kräftigem "Zug zum Mann". Die Swelttalwehr ließ sich
begeistert auf die vielen kleinen Nicklichkeiten und größeren Keilereien ein und es sah bereits
so aus, als ob das 3:0 auch das Endergebnis werden sollte, als unter dem begeisterten Jubel der
Zuschauer aus einer Nichtigkeit eine Massenschlägerei unter Beteiligung aller Spieler wurde. Die
Betreuer und Ordnungskräfte mußten eingreifen und nach einer halben Ewigkeit war endlich wieder Ruhe
eingekehrt. Die Schiedsrichter verhängten mehrere Spielstrafen, so daß auch durch die
zahlreichen verletzungsbedingten Ausfälle nur noch 11 Lowanger und 12 Premer Spieler gegenüberstanden.
Der allgemeinen Aggressivität tat diese Eskapade keinen Abbruch, doch die Lowanger nutzten nun die
größeren Löcher in der Premer Abwehr zu einigen Fernschüssen, die in schneller Folge zu einem
3:3-Ausgleich führen sollten. Als Jaavi Kaliimanii dann sogar das 4:3 für die Swelttalwehr schoß,
wurde es mucksmäuschenstill im "Langhaus". Urplötzlich war das gefürchtete, aber nicht erwartete
Ergebnis eingetroffen. Die Swelttalwehr schien auf dem besten Wege, Prem im eigenen Stadion aus
dem Meisterschaftsrennen zu werfen. Erinnerungen an den letztjährigen Pokalverlust im Langhaus
gegen eben diese Lowanger Mannschaft wurden wach und es waren nur noch wenige Augenblicke zu
spielen. Auch die meisten Premer Spieler schienen bereits resigniert zu haben, da faßte sich der
junge Hallar Torkilson ein Herz, nahm all seinen Mut zusammen, trieb den Ball durch die Reihen der
nach ihm schlagenden und tretenden Lowanger und setzte einen gezielten Schuß an, den nur eine
hochklassige Parade Roleff Swartes noch über die Querlatte lenken konnte. Das 4:4 war gefallen,
die Massen jubelten und standen auf den Bänken, Hallar lief zurück in seine Hälfte, wo er von
seinen die Arme in die Luft reißenden Mitspielern in Empfang genommen wurde, die beiden Kapitäne
stellten sich im Mittelkreis auf und die Spielzeit war abgelaufen. Das Halbfinale mußte also in
der Verlängerung entschieden werden.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es in einer Aufstellung von 11 gegen 11 weiter, da sich
Hallar bei seinem Sturmlauf mehrere schwere Prellungen zugezogen hatte und nun nur noch auf der
Bank Platz nehmen konnte. Die Swelttalwehr konnte sich zunächst auch den Ball sichern und ließ ihn
lange durch ihre Reihen gleiten. Die Sturmotta verschanzte sich in der eignen Hälfte, in die
sich die Lowanger kaum wagten. Nach mehreren Minuten abwartenden Taktierens spielte Alrik
Hausmeier Kaja Mauler mit einem steilen Paß vor dem Premer Tor an. Ein heftiger Schlag von
Ottan Oremoson an Kajas Kinn ließ diese jedoch wanken, der Ball ging in die Premer Reihen und
die Unparteiischen ließen das Spiel weiterlaufen. Wütende Proteste der Lowanger waren die
Folge. Sie konzentrierten sich mehr auf die Schiedsrichter und die blutend am Boden liegende
Mitspielerin als auf den Ball. Diese Situation nutze die Sturmotta eiskalt aus. Über den verwaisten
linken Flügel ging der Ball in drei schnellen Pässen zu Beorn Fjolnarasson, der Roleff Swarte
mit einem klugen Heber keine Chance ließ und den Ball zum umjubelten 5:4 einschoß.
Wütend verließen die Lowanger das Spielfeld. Das für den Abend ursprünglich angesetzte gemeinsame
Festessen beider Vereine wurde abgesagt. Auf dem Rückweg von der Herberge zum Hafen kam es auch am
folgenden Tag noch zu einigen Handgreiflichkeiten mit hämisch spottenden Thorwalern - eine neue
Erzrivalität wurde an diesem Tag geboren.
Stimmen zum Spiel:
Arngrimm Beowulfsson:
"Das war eine Riesensauerei. Diese Brutalität, die die Premer schon im zweiten Spiel in die Waagschale geworfen haben, hat nichts mehr mit Imman zu tun. Man hätte sie schon lange sperren müssen. Wir sind die moralischen Sieger dieses Halbfinals, das wohl."
Haldor Schneealb (Torwarttrainer):
"Ja, zugegeben, das Spiel wurde von beiden Seiten sehr hart geführt. Aber daß es durch so eine Szene beendet wird, das ist unter aller Sau. Da kann man auch gleich Messer austeilen, und wer stehen bleibt, der hat gewonnen. Wir haben natürlich beim Verband protestiert, aber ich glaube nicht, daß wir eine Chance haben. Da sind gößere Einflüsse im Spiel und Prem hat einfach mehr Geld und Einfluß als wir."
Erp Krumbein (mit gebrochener Nase):
"Die sollen bloß nochmal bei uns vorbeikommen. Ich hole meinen extra alten Schläger von meiner Oma raus, damit hau ich sie aus dem Schlammloch, daß sie sich wünschen würden, lieber im Orkland spazieren zu gehen, als bei mir zu Hause."
Borlosch Eisenfaust:
"Wir haben das Halbfinale nicht heute verloren, sondern bei unserer Heimniederlage. Das hier war einfach nur Scheiße. Ich wünsche den Bären viel Erfolg. Wir werfen Euch die Flachkielpiraten zum Fraße vor!"
Irdina Golowjewna (schluchzend):
"Mann, wir waren so nah dran. So schnell kommt man nicht wieder in ein Halbfinale. Und erst recht nicht so knapp ans Finale. Wenn wir wenigstens nochmal 20:0 verloren hätten, wäre die Sache klar gewesen, aber so. Das ist einfach nur ungerecht. Immer gewinnen die selben doofen Säcke die Meisterschaft."
Svantje Sanglos
"Halts Maul, du blöder Zeitungsfutzi. Geh doch selber da rein und laß Dich von den Idioten zusammenschlagen."
Manipulus Rhorwed Maß aller Dinge
Die Schlußsspiele der Vereinigten Aventurischen Immanliga sind in vollem Gange. Die Halbfinals
sind gespielt. Die Bären aus Andergast und Sturmotta Prem bestreiten die Finalserie um
die Meisterschaft.
Ein Fazit kann bereits gezogen werden: der Manipulus Rhorwed ist das Maß aller Dinge,
wenn es um Imman geht. Vier Mannschaften aus der Rhorwed-Gruppe hatten das Halbfinale
erreicht. Während Orkensturm Phexcaer relativ leichte Beute für die Bären wurde, mußte das
andere Halbfinale zwischen Prem und Lowangen in der Verlängerung des fünften und letzten
Spiels eintschieden werden - ein Zeichen für die hohe Leistungsdichte im Norden der VAI.
Egal, wer am Ende das Rennen machen wird, eins ist sicher: Die Meisterschaft wird wohl auch
in den nächsten Jahren nur über die Mannschaften aus dem Manipulus Rhorwed führen. Nur
wer sich hier im Nordwesten Aventuriens durchsetzen kann, wird am Ende des Jahres den
Meisterschaftspokal in andere Teile des Kontinents entführen können. Mannschaften wie Grangor,
Festum, Ragath und Bethana haben dieses Jahr ihre Ambitionen unterstrichen, doch zum letztendlichen
Erfolg gehört mehr als nur Spielwitz und Siegeswille, was diese Mannschaften in der laufenden
Spielzeit in bitteren Lektionen lernen mußten.











